Was ist Scrum? Vereinfacht gesagt ist Scrum ein leichtgewichtiges Framework, mit dem Teams komplexe Aufgaben bearbeiten und dabei schrittweise nutzbare Ergebnisse entwickeln können. Bekannt geworden ist Scrum vor allem durch die Softwareentwicklung. Das Framework wird mittlerweile aber auch außerhalb dieses Bereichs für komplexe Produkt- und Entwicklungsarbeit eingesetzt.
Im Zentrum steht ein kleines, selbstorganisiertes Scrum Team, das in wiederkehrenden Arbeitszyklen Ergebnisse entwickelt, überprüft und bei Bedarf die weitere Vorgehensweise anpasst. Statt ein komplexes Vorhaben von Beginn an vollständig durchzuplanen, arbeitet Scrum somit iterativ und empirisch. Das schafft die Möglichkeit, regelmäßig aus Ergebnissen und neuen Erkenntnissen zu lernen. Scrum wird als agiles Framework beschrieben, das mit definierten Verantwortlichkeiten, Events und Artefakten arbeitet und auf die kontinuierliche Lieferung funktionierender Ergebnisse ausgerichtet ist.
Ein Scrum Team besteht aus Product Owner, Scrum Master und Developers. Der Product Owner ist dafür verantwortlich, den Wert des Produkts zu maximieren und das Product Backlog effektiv zu managen. Die Developers erstellen in jedem Sprint ein nutzbares Increment. Der Scrum Master unterstützt wiederum dabei, Scrum entsprechend dem Scrum Guide zu etablieren und die Effektivität des Teams zu verbessern. Die Arbeit erfolgt in Sprints mit einer Dauer von maximal einem Monat. Innerhalb dieses Rhythmus finden die zentralen Scrum Events statt: Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospective. Die Events schaffen einen festen Rahmen für Planung, Abstimmung, Überprüfung und Verbesserung. Ein Sprint beginnt unmittelbar nach dem vorherigen, sodass ein kontinuierlicher Arbeitsrhythmus entsteht.
Hinzu kommen drei zentrale Artefakte: Product Backlog, Sprint Backlog und Increment. Mit ihnen sind jeweils Commitments verbunden: Product Goal, Sprint Goal und Definition of Done. Diese Struktur soll Transparenz darüber schaffen, woran gearbeitet wird, welches Ziel verfolgt wird und wann ein Arbeitsergebnis den vereinbarten Qualitätsanforderungen entspricht.
Scrum schreibt dabei nicht im Detail vor, wie ein Team seine fachliche Arbeit erledigen muss. Das Framework setzt vielmehr Grenzen und Verantwortlichkeiten, innerhalb derer Teams geeignete Arbeitsweisen für ihren jeweiligen Kontext einsetzen können.
Scrum basiert auf fünf Werten: Commitment, Focus, Openness, Respect und Courage, auf Deutsch meist als Selbstverpflichtung, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut bezeichnet. Diese Werte sollen die Zusammenarbeit und die Entscheidungen eines Scrum Teams prägen. Selbstverpflichtung bedeutet, dass sich die Mitglieder des Scrum Teams dazu verpflichten, ihre Ziele zu erreichen und sich gegenseitig zu unterstützen. Fokus richtet die Aufmerksamkeit auf die Arbeit des Sprints und die Ziele des Teams. Offenheit bedeutet, transparent mit Arbeit und Herausforderungen umzugehen. Respekt beschreibt den Umgang der Teammitglieder miteinander als kompetente und eigenständige Personen. Mut ist erforderlich, um schwierige Probleme anzusprechen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Neben diesen fünf Werten beruht Scrum auf drei empirischen Säulen:
Diese drei Prinzipien hängen unmittelbar zusammen. Ohne ausreichende Transparenz lässt sich schwer sinnvoll überprüfen. Ohne Überprüfung fehlen Erkenntnisse für Verbesserungen. Und ohne Anpassung haben gewonnene Erkenntnisse kaum praktischen Nutzen. Scrum verbindet diese empirische Arbeitsweise deshalb mit seinen Events und Artefakten.
Scrum und Agile werden im beruflichen Alltag häufig synonym verwendet. Genau genommen bezeichnen sie jedoch nicht dasselbe. Agile ist der übergeordnete Denk- und Werteansatz, Scrum ein konkretes Framework für die praktische Zusammenarbeit. Die Grundlagen agiler Softwareentwicklung wurden im Agile Manifesto formuliert. Dazu gehören unter anderem eine stärkere Gewichtung von Menschen und Interaktionen gegenüber Prozessen und Werkzeugen sowie die Bereitschaft, auf Veränderungen zu reagieren, statt ausschließlich einem ursprünglichen Plan zu folgen. Scrum bietet einen strukturierten Rahmen, in dem solche Prinzipien praktisch umgesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise die kurzen Feedbackzyklen, regelmäßige Überprüfungen und die Möglichkeit, Prioritäten auf Basis neuer Erkenntnisse anzupassen. Scrum ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, agil zu arbeiten. Auch andere Ansätze und Frameworks können agile Prinzipien unterstützen.
Daraus folgt ein wichtiger Unterschied: Wer Scrum einsetzt, arbeitet innerhalb eines agilen Frameworks. Wer agil arbeitet, muss aber nicht automatisch Scrum verwenden. Für Unternehmen ist diese Unterscheidung relevant, weil die Einführung einzelner Scrum Events allein noch keine agile Arbeitskultur schafft.
Scrum ist weiterhin ein relevantes Framework für komplexe Arbeit. Entscheidend ist jedoch, ob es zum jeweiligen Arbeitskontext passt. Der offizielle Scrum Guide beschreibt ausdrücklich, dass Scrum mittlerweile weit über seinen Ursprung in der Softwareentwicklung hinaus für komplexe Arbeit eingesetzt wird. Seine grundlegenden Mechanismen sind nicht an bestimmte Technologien gebunden. Kurze Lernzyklen, regelmäßiges Feedback, transparente Prioritäten und die Anpassung an neue Erkenntnisse können gerade dort sinnvoll sein, wo Anforderungen nicht von Anfang an vollständig feststehen. Das macht Scrum beispielsweise für Produktentwicklung und andere komplexe Veränderungsvorhaben interessant.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Scrum für jedes Projekt die beste Wahl ist. Bei gut vorhersehbaren Aufgaben, klar definierten Abläufen oder stark sequenziellen Projekten können andere Vorgehensweisen geeigneter sein.
Zeitgemäß ist Scrum daher vor allem dann, wenn Unternehmen es nicht als starres Meeting-Schema betrachten. Der Nutzen entsteht durch Transparenz, Überprüfung, Anpassung und eigenverantwortliche Zusammenarbeit. Werden lediglich Daily Scrum, Sprint Planning und Retrospektive durchgeführt, ohne diese Prinzipien tatsächlich zu leben, bleiben wesentliche Vorteile des Frameworks ungenutzt.
Scrum Master sind dafür verantwortlich, die Einführung und Anwendung von Scrum entsprechend dem Scrum Guide zu unterstützen. Sie helfen dem Scrum Team dabei, effektiver zu arbeiten, Hindernisse zu beseitigen und Scrum-Praktiken zu verstehen. Gleichzeitig unterstützen sie Product Owner, Developers und Organisation dabei, empirische Arbeitsweisen sinnvoll anzuwenden. Die Rolle ist daher nicht mit einer klassischen Projektleitung gleichzusetzen. Scrum Master verteilen nicht einfach Aufgaben und kontrollieren deren Abarbeitung. Gefragt sind vielmehr Moderationsfähigkeit, Kommunikationskompetenz, Verständnis für Teamdynamik und fundiertes Wissen über Scrum. Für die fachliche Weiterbildung gibt es beispielsweise die Professional Scrum Master (PSM)-Zertifizierungen von Scrum.org.
Auch finanziell kann die Rolle interessant sein. Aktuelle Gehaltsdaten von kununu weisen für Scrum Master in Österreich ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von rund 64.700 Euro aus. Bei weniger als drei Jahren Berufserfahrung liegt der dort ausgewiesene Durchschnitt bei rund 56.100 Euro, nach zehn Jahren Berufserfahrung bei rund 75.600 Euro. Die tatsächliche Vergütung hängt unter anderem von Berufserfahrung, Branche, Unternehmen und Standort ab.
Damit verbindet das Berufsbild methodische Kenntnisse mit ausgeprägten sozialen und organisatorischen Kompetenzen. Wer sich in Richtung Scrum Master entwickeln möchte, sollte deshalb nicht nur das Framework und seine Regeln kennen, sondern insbesondere verstehen, warum Transparenz, Überprüfung, Anpassung und Selbstmanagement für Scrum entscheidend sind.
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